{"id":196,"date":"2011-11-01T10:59:18","date_gmt":"2011-11-01T10:59:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lern-online.net\/blog\/?p=196"},"modified":"2013-03-10T21:59:30","modified_gmt":"2013-03-10T20:59:30","slug":"droht-der-eu-eine-schweizer-franken-hypothekarkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lern-online.net\/blog\/droht-der-eu-eine-schweizer-franken-hypothekarkrise\/","title":{"rendered":"Droht der EU eine Schweizer Franken Hypothekarkrise?"},"content":{"rendered":"<p>Griechenland ist ein S\u00fcndenbock der EU, weil es ein orthodoxes Land ist wie Serbien oder Russland.<\/p>\n<p>Italien, Portugal, Spanien und Irland, die anderen PIGGS L\u00e4nder, sind hingegen katholische L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Aber auch die Schulde dieser katholischen PIIGS L\u00e4nder sind \u00fcbersehbar!<\/p>\n<p>Wo das Problem der EU wirklich ernst wird, verschweigt man es vorerst noch immer, n\u00e4mlich der Hypothekarverschuldung innerhalb der EU mit Schweizerfranken Hypotheken!<\/p>\n<p>Am 7. Februar 2009 schrieben Martin Brown und Marcel Peter in der NZZ \u00fcber die bemerkenswerte Karriere des Schweizerfrankens im Osten und meinten damals, dass osteurop\u00e4ische Haushalte und Unternehmen mit Frankenkrediten geringeren Wechselkursrisiken ausgesetzt sind als bisher vermutet.<\/p>\n<p>Dies war ein grosser Irrtum, denn im Jahr 2010 st\u00fcrzte der Euro gegen\u00fcber dem Schweizer Franken ab und erreichte einen Tiefstand in diesem Jahr von einem Euro zu einem Schweizer Franken.<\/p>\n<p>In Ostmitteleuropa haben in den letzten Jahren immer mehr Haushalte und Unternehmen Schulden in Schweizerfranken aufgenommen, weil diese mit vergleichsweise niedrigen Zinsen verbunden waren.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren haben Schweizerfrankenkredite in einzelnen L\u00e4ndern Ost- und Westeuropas ein erstaunliches Ausmass angenommen. Heute machen Frankenkredite in Ungarn und Polen mehr als die H\u00e4lfte des Hypothekarmarktes aus. Selbst im Euro-Land \u00d6sterreich ist fast ein Drittel der Haushaltskredite in Franken denominiert. Private Haushalte und Unternehmen nehmen Frankenkredite auf, um von tieferen Zinsen gegen\u00fcber Forint, Zloty oder Euro zu profitieren. Dabei gehen sie ein betr\u00e4chtliches Risiko ein, weil sie bei einer H\u00f6herbewertung des Frankens gegen\u00fcber der Lokalw\u00e4hrung allenfalls nicht mehr in der Lage sein k\u00f6nnten, ihre Schulden zu bezahlen, weil diese dadurch aus ihrer Sicht schwerer geworden sind. Die Asienkrise Ende der 1990er Jahre hat gezeigt, dass eine Verschuldung des Privatsektors in Fremdw\u00e4hrung die Stabilit\u00e4t des Finanzsektors gef\u00e4hrden kann.<\/p>\n<p>Konzentration in Polen und Ungarn<br \/>\nNachdem sich der Schweizerfranken in den letzten Monaten gegen\u00fcber mehreren europ\u00e4ischen W\u00e4hrungen aufgewertet hat, stellt sich die Frage, in welchem Ausmass Frankenkredite den Finanzsektor in den betroffenen L\u00e4ndern gef\u00e4hrden. Frankenkredite sind in Zentral- und Osteuropa entgegen der allgemeinen Wahrnehmung nur in einzelnen L\u00e4ndern bedeutend. Eine Studie der Schweizerischen Nationalbank zeigt, dass das ausstehende Volumen an Fremdw\u00e4hrungskrediten in dieser Region Ende 2007 insgesamt rund 275 Mrd. Fr. betrug. Hiervon machten Frankenkredite nur 75 Mrd. Fr. aus. In den meisten L\u00e4ndern der Region lauten die Fremdw\u00e4hrungskredite vorwiegend auf Euro. Nur in Ungarn, Polen und Kroatien ist ein wesentlicher Anteil dieser Kredite in Franken denominiert (vgl. Grafik).<\/p>\n<p>Polen und Ungarn sind mit je HF 30 Milliarden die einzigen L\u00e4nder Zentral- und Osteuropas, in denen das Volumen an Frankenkrediten dasjenige von Euro-Krediten \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>In beiden L\u00e4ndern dominiert der Franken das Hypothekargesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Im Jahr 2007 lauteten in Ungarn 90% der neu abgeschlossenen Hypotheken auf Franken, womit der Anteil der Frankenkredite bei Haushalten auf insgesamt 60% stieg.<\/p>\n<p>Unternehmenskredite wurden mehrheitlich in Lokalw\u00e4hrung ausgestellt; nur 16% der ungarischen Unternehmenskredite sind in Franken denominiert. In Polen zeigt sich ein \u00e4hnliches Bild.<\/p>\n<p>Die Verbreitung von Frankenkrediten in Ungarn und Polen ist vergleichbar mit derjenigen in \u00d6sterreich, wo man mit CHF 84 Miliarden das gr\u00f6sste Volumen an Frankenkrediten im Ausland findet.<\/p>\n<p>Ausgehend von Vorarlberg in den 1990er Jahren, haben sich Frankenhypotheken in allen Regionen verbreitet.<\/p>\n<p>Seit mehreren Jahren sind um die 30% des Haushaltskreditvolumens in \u00d6sterreich in Franken denominiert.<\/p>\n<p>Wie in Polen und Ungarn sind Frankenkredite auch in \u00d6sterreich bei Unternehmen weniger verbreitet als bei Haushalten; sie machen mit CHF 13 Milliarden nur 7% des Kreditvolumens dieses Sektors aus.<\/p>\n<p>In Deutschland, Frankreich und Italien sind Frankenkredite weniger bedeutend, obwohl die wirtschaftlichen Verflechtungen der Schweiz mit diesen drei Nachbarl\u00e4ndern st\u00e4rker sind als mit \u00d6\u00d6sterreich.<\/p>\n<p>In Deutschland und Frankreich ist das Volumen der Frankenkredite zwar betr\u00e4chtlich; allerdings macht dieses in beiden L\u00e4ndern nur etwa 1% des gesamten Kreditvolumens aus, in Italien gar nur 0,3%.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: In \u00d6sterreich lauten 13% des gesamten Kreditvolumens auf Franken.<\/p>\n<p>Nicht nur die Verbreitung von Frankenkrediten, sondern auch ihre Struktur scheint sich zwischen \u00d6sterreich und den \u00fcbrigen Nachbarl\u00e4ndern zu unterscheiden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Frankenkredite in \u00d6sterreich vorwiegend in Form von Hypotheken an inl\u00e4ndische Haushalte vergeben werden, sind es in Deutschland mehrheitlich Kredite an Unternehmen im In- und Ausland.<\/p>\n<p>Ein betr\u00e4chtliches Volumen an Frankenkrediten findet man auch auf dem internationalen Finanzplatz Luxemburg. 8% des Kreditvolumens machen sie hier aus, der Grossteil davon an ausl\u00e4ndische Gegenparteien.<\/p>\n<p>Fremdw\u00e4hrungskredite sind f\u00fcr Haushalte und Unternehmer risikoreicher als Kredite in Lokalw\u00e4hrung, da sie ein Wechselkursrisiko bergen.<\/p>\n<p>Wertet sich der Franken gegen\u00fcber dem Zloty, Forint oder Euro auf, wie dies in den letzten Monaten der Fall war, steigen die in Lokalw\u00e4hrung zu bezahlenden Zins- und Amortisationszahlungen eines Frankenkredites.<\/p>\n<p>Ob der Kreditnehmer diese Zahlungen leisten kann, h\u00e4ngt in erster Linie davon ab, ob er entsprechende Eink\u00fcnfte in Franken hat und somit gegen Wechselkurs\u00e4nderungen abgesichert ist.<\/p>\n<p>Bei Kreditnehmern ohne Eink\u00fcnfte in Fremdw\u00e4hrung h\u00e4ngt die Zahlungsf\u00e4higkeit von der H\u00f6he ihres Einkommens und Verm\u00f6gens in Lokalw\u00e4hrung ab.<\/p>\n<p>Aus Sicht der Kreditgeber zeichnen sich Fremdw\u00e4hrungskredite ebenfalls durch besondere Risiken aus.<\/p>\n<p>Zwar sind die Banken aufgrund von Vorgaben der Aufsichtsbeh\u00f6rden in der Regel gegen Wechselkurs\u00e4nderungen abgesichert.<\/p>\n<p>Aber dem Kreditausfallrisiko als Folge von Wechselkurs\u00e4nderungen k\u00f6nnen auch sie sich nicht entziehen.<\/p>\n<p>Kommt hinzu, dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Fremdw\u00e4hrungskrediten alle von der Wechselkursentwicklung abh\u00e4ngig und somit hoch korreliert sind.<\/p>\n<p>Bedeutende Volumina an ausstehenden Fremdw\u00e4hrungskrediten sind daher f\u00fcr eine einzelne Bank ein Klumpenrisiko; f\u00fcr die ganze Branche k\u00f6nnen sie ein wesentliches Stabilit\u00e4tsrisiko darstellen.<\/p>\n<p>Wie gross sind die effektiven Risiken von Frankenkrediten in Polen, Ungarn oder \u00d6sterreich?<\/p>\n<p>Hierzu liefern zwei weitere Studien der Schweizerischen Nationalbank interessante Erkenntnisse.<\/p>\n<p>Eine erste Studie untersucht die Wahl der Kreditw\u00e4hrung von Kleinunternehmen in 26 Transitionsl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Studie \u00fcberpr\u00fcft die vielfach zitierte Aussage, wonach Kleinunternehmer mit Fremdw\u00e4hrungskrediten meist gar keine Eink\u00fcnfte in Fremdw\u00e4hrungen haben.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass Firmen, die Fremdw\u00e4hrungskredite aufnehmen, signifikant h\u00e4ufiger Fremdw\u00e4hrungseink\u00fcnfte aufweisen als Firmen mit Lokalw\u00e4hrungskrediten.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass Kleinunternehmer mit Fremdw\u00e4hrungskrediten in Zentral- und Osteuropa zumindest teilweise einen nat\u00fcrlichen Hedge gegen Wechselkursrisiken haben.<\/p>\n<p>Eine zweite Studie untersucht die Charakteristika \u00a0insbesondere die Risikof\u00e4higkeit \u00a0jener \u00f6sterreichischen Haushalte, die einen Wohnbaukredit in Fremdw\u00e4hrung aufgenommen haben.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass Fremdw\u00e4hrungskredite unter verm\u00f6genden und risikofreudigen Haushalten am weitesten verbreitet sind.<\/p>\n<p>Ausserdem haben Haushalte mit einem Wohnbaukredit (in Fremd- oder Lokalw\u00e4hrung) ein h\u00f6heres Einkommen und sind versierter in Finanzfragen als Haushalte ohne Wohnbaukredit.<\/p>\n<p>Dies bedeutet, dass die Risikof\u00e4higkeit der in Fremdw\u00e4hrung verschuldeten Haushalte zumindest in \u00d6sterreich relativ hoch ist. L\u00e4sst sich dieser beruhigende Befund auch auf Polen und Ungarn \u00fcbertragen?<\/p>\n<p>Eine Studie der ungarischen Zentralbank zeigt, dass bei einer kr\u00e4ftigen Aufwertung des Frankens zahlreiche Haushalte mit ihren Hypotheken in Zahlungsschwierigkeiten geraten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Schweizer Kreditinstitute sind am Retail-Gesch\u00e4ft mit Frankenkrediten kaum beteiligt.<\/p>\n<p>Bei der Refinanzierung dieser Kredite spielen Schweizer Banken und vor allem der Schweizer Kapitalmarkt jedoch eine wesentliche Rolle.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen Banken im Ausland ihre Frankenkredite durch Kundeneinlagen, Interbankkredite und Wertpapieremissionen refinanzieren oder mittels Ausserbilanzgesch\u00e4ften absichern.<\/p>\n<p>Die Banken in \u00d6sterreich und anderen Euro-L\u00e4ndern refinanzieren ihre Frankenkredite weitgehend mit Interbankkrediten und Anleihenemissionen, w\u00e4hrend in Ungarn und Polen auch Ausserbilanzgesch\u00e4fte h\u00e4ufig verwendet werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Refinanzierung von Frankenkrediten im Euro-Raum spielt der Schweizer Kapitalmarkt eine wichtige Rolle, die Schweizer Banken hingegen sind nur von beschr\u00e4nkter Bedeutung.<\/p>\n<p>Insgesamt scheint knapp die H\u00e4lfte der \u00f6sterreichischen Frankenkredite direkt \u00fcber den Finanzplatz Schweiz refinanziert zu werden.<\/p>\n<p>Die verf\u00fcgbaren Daten zeigen, dass schweizerische Banken gegen\u00fcber \u00d6sterreich Interbankforderungen von knapp CHF 10 Milliarden halten.<\/p>\n<p>Zudem haben \u00f6sterreichische Banken Frankenobligationen im Wert von \u00fcber CHF 30 Milliarden an der Schweizer B\u00f6rse ausstehend.<\/p>\n<p>Noch wesentlicher ist der Schweizer Finanzplatz in die Refinanzierung von Frankenkrediten in Deutschland und Frankreich involviert.<\/p>\n<p>In Frankreich scheinen rund zwei Drittel, in Deutschland sogar \u00fcber drei Viertel der ausstehenden Frankenkredite \u00fcber die Schweiz refinanziert.<\/p>\n<p>In beiden L\u00e4ndern spielt wiederum die Emission von Frankenobligationen am Schweizer Kapitalmarkt die wichtigere Rolle als Interbankkredite.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Situation in unseren Nachbarl\u00e4ndern scheint die Schweiz nur unwesentlich in die Refinanzierung von Frankenkrediten in Ungarn und Polen involviert zu sein.<\/p>\n<p>Polnische und ungarische Banken haben zurzeit keine Obligationen am Schweizer Kapitalmarkt ausstehend.<\/p>\n<p>Zudem belaufen sich die Interbankforderungen von Schweizer Banken gegen\u00fcber diesen L\u00e4ndern insgesamt auf lediglich CHF 100 Millionen, also weniger als 0,2% der ausstehenden Frankenkredite.<\/p>\n<p>Inwieweit Schweizer Banken \u00fcber Ausserbilanzgesch\u00e4fte an der Absicherung der Frankenkredite von polnischen und ungarischen Banken beteiligt sind, l\u00e4sst sich infolge fehlender Daten nicht beurteilen.<\/p>\n<p>Die hieraus entstehenden Risiken w\u00fcrden sich aber auf Wechselkurs\u00e4nderungen beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Aus unserer Analyse kann geschlossen werden, dass der Finanzplatz Schweiz zwar in die Refinanzierung der Frankenkredite involviert ist.<\/p>\n<p>Die daraus entstehenden Risiken scheinen aber begrenzt und werden eher von Investoren als von Banken getragen.<\/p>\n<p>Es sollen rund CHF 5.5 Billionen Schweizerfranken Hypotheken in der EU vergeben worden sein.<\/p>\n<p>Dieses Volumen \u00fcbertrifft das 2007 festgestellte Volumen der US Subprime Hypothekarkredite um \u00fcber 50% und k\u00f6nnte das n\u00e4chste grosse Problem werden, mit dem sich die EU nach dem Finanzierungsproblem mit Griechenland, sowie den anderen PIIGS L\u00e4ndern, zu befassen haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Eine <a title=\"James Tobin \u00ef\u00bf\u00bd Sein Steuerkonzept w\u00ef\u00bf\u00bdrde das Problem der Armut l\u00ef\u00bf\u00bdsen\" href=\"https:\/\/lern-online.net\/blog\/2007\/07\/11\/james-tobin-sein-steuerkonzept-wuerde-das-problem-der-armut-loesen\/\" target=\"_blank\">Tobin Finanztransaktionssteuer<\/a>, welche nun auch von der EU gew\u00fcnscht wird, k\u00f6nnte mindestens einen Teil der Risiken von den Steuerzahlern auf die Verursacher grosser Volatilit\u00e4ten, den Devisenh\u00e4ndlern, umlagern!<\/p>\n<p>Verfasser:\u00a0<a title=\"Interview mit Lucas Wyrsch\" href=\"https:\/\/lern-online.net\/blog\/2006\/06\/23\/interview-mit-lucas-wyrsch\/\" target=\"_blank\">Lucas Wyrsch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Griechenland ist ein S\u00fcndenbock der EU, weil es ein orthodoxes Land ist wie Serbien oder Russland. 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