{"id":2343,"date":"2013-06-03T22:57:00","date_gmt":"2013-06-03T21:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lern-online.net\/blog\/?p=2343"},"modified":"2018-04-24T12:04:36","modified_gmt":"2018-04-24T11:04:36","slug":"interview-mit-inge-hannemann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lern-online.net\/blog\/interview-mit-inge-hannemann\/","title":{"rendered":"Interview mit Inge Hannemann"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe durch ein viel geteiltes Video auf Google+ von Inge Hannemann erfahren. Im folgende Interview hat sie uns einige interessante Antworten zur der Situation in Jobcentern gegeben und ihre Meinung zur Alternativen von Hartz IV wie dem bedingungslosen Grundeinkommen sowie dem B\u00fcrgergeld-Vorschlag der FDP.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<b>Lern-Online.net<\/b><b>: <\/b>Frau Hannemann, bitte stellen Sie sich kurz vor und wodurch sie als Jobcenter-Mitarbeiterin bundesweit bekannt geworden?<\/p>\n<div id=\"attachment_2346\" style=\"width: 471px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/lern-online.net\/blog\/wp-content\/130410-Inge-Hannemann-24.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2346\" class=\" wp-image-2346 \" src=\"https:\/\/lern-online.net\/blog\/wp-content\/130410-Inge-Hannemann-24.jpeg\" alt=\"Inge Hannemann \" width=\"461\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/lern-online.net\/blog\/wp-content\/130410-Inge-Hannemann-24.jpeg 1280w, https:\/\/lern-online.net\/blog\/wp-content\/130410-Inge-Hannemann-24-300x200.jpeg 300w, https:\/\/lern-online.net\/blog\/wp-content\/130410-Inge-Hannemann-24-1024x683.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 461px) 100vw, 461px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2346\" class=\"wp-caption-text\">Inge Hannemann<br \/>\u00a9 Frank Schwarz<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Bis zur meiner Freistellung vom Dienst bis auf Widerruf durch Jobcenter team.arbeit.hamburg am 22. April 2013 war ich als Arbeitsvermittlerin im Bereich der jungen Menschen von 15 Jahre bis 25 Jahre im Jobcenter Hamburg-Altona t\u00e4tig. Ich bin 45 Jahre, verheiratet, habe eine 20-j\u00e4hrige studierende Tochter und lebe in Hamburg-Altona.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bereits seit April 2012 betreibe ich den kritischen <a title=\"altonabloggt\" href=\"http:\/\/altonabloggt.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hartz IV-Blog \u201ealtonabloggt\u201c<\/a>, in dem ich die Missst\u00e4nde in den Jobcentern beschreibe sowie das Hartz IV-System in Frage stelle und kritisiere. Dieses habe ich von Beginn an mit meinem Namen getan, um f\u00fcr die Leser eine Transparenz und Glaubw\u00fcrdigkeit herzustellen. Aufgrund meiner schriftlichen, aber auch \u00f6ffentlichen Kritik bei Vortr\u00e4gen und Videos wurde ich im M\u00e4rz 2012 zu einer kurzfristig angesetzten Anh\u00f6rung durch meinen eigentlichen Arbeitgeber der Stadt Hamburg (Beh\u00f6rde f\u00fcr Arbeit, Soziales, Familie und Integration) geladen. In diesem Schreiben wurde deutlich, dass ich entweder meinen Blog zu schlie\u00dfen h\u00e4tte oder eventuelle Konsequenzen drohen. Aufgrund dessen habe ich die Anh\u00f6rung in das Netz gestellt und innerhalb weniger Stunden entwickelte sich eine sehr gro\u00dfe Solidarit\u00e4tswelle. Damit nahm die Bekanntheit meiner Person ihren Lauf und w\u00e4chst w\u00f6chentlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>W\u00fcrden Sie sagen, das der Jobcenter-M\u00f6rder in Neuss wegen den, wie sie sagen unmenschlichen Jobcenter-Regeln stattgefunden hat oder war dies ein sehr ungl\u00fccklicher Einzelfall?<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Bisher war Neuss gl\u00fccklicherweise ein Einzelfall in diesem Ausma\u00dfe. Zu beobachten ist jedoch, dass die Gewalt, ob verbal oder k\u00f6rperlich durchaus zunimmt. Das ist meine subjektive Wahrnehmung, auch aus meinem eigenen Jobcenter. Die Menschen in den Jobcentern, ob als Betroffener oder auch als Mitarbeiter sind einen enormen Druck ausgesetzt. Die Betroffenen, durch die zum Teil stark vorherrschenden Machtstellungen und deren negativen Aus\u00fcbung in den Jobcentern, die Mitarbeiter durch den hohen Arbeitsaufwand und dem Druck durch die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit oder den einzelnen Weisungen durch die F\u00fchrung vor Ort. Gelehrt wird die absolute origin\u00e4re rechtskonforme Anwendung des Sozialgesetzbuches II. Wer als Mitarbeiter ausbricht, hat zumeist mit Repressalien von Oben oder den Kollegen bis zum Jobverlust zu rechnen. Das zeigen mir insbesondere die vielen Mails meiner Kollegen, die dieses best\u00e4tigen. Dieser Druck, das Fehlen eines empathischen Umgangs mit Erwerbslosen und das zum Teil hohe Desinteresse am eigenen Job oder den Menschen, kann so zu Gewalt f\u00fchren. Existenz\u00e4ngste durch die Bedrohung der Sanktionspraxis verst\u00e4rkt all dieses zus\u00e4tzlich. Die Betroffenen f\u00fchlen sich oftmals nicht mehr als Mensch, sondern nur noch als stigmatisierte \u201efaule, schmarotzende Hartzer\u201c und ertragen z.T. die Dem\u00fctigungen nicht und existenzielle Abh\u00e4ngigkeit ist per se eine.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Sie haben Recht, das wenn die Seele erkrankt ist, erkrankt der K\u00f6rper. Dazu f\u00e4llt mir der Spruch: Das Leben ist kein Ponyhof. Wenn man in der Schule schon oft denkt, wof\u00fcr lern ich dies oder das? So finde ich, gibt es immer gute Gr\u00fcnde f\u00fcr Weiterbildungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Arbeitslose als Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Als Sch\u00fclerin habe auch ich oft gedacht, wof\u00fcr lerne ich dies oder jenes. Auch heute denke ich des\u00f6fteren, dass ich vieles bis heute nicht ben\u00f6tigt h\u00e4tte, wie z. B. die Zusammensetzung einer Bohne. Trotz allem glaube ich durchaus, dass jedes Lernen, sofern es inhaltlich wertvoll ist, die eigene Denkkraft st\u00e4rkt und somit zu vielem eine Verbindung zu anderem Wissen hergestellt werden kann. Es entsteht eine\u00a0 Verkn\u00fcpfung. Weiterbildungsma\u00dfnahmen sehe ich dann als sinnvoll an, wenn sie tats\u00e4chlich anzuwendendes Wissen vermittelt. Als Beispiel nenne ich Qualifizierungen f\u00fcr EDV-Neulinge in der Anwendung von Word, Excel oder Buchhaltung. Auch Weiterbildungen auf dem vorhandenen Beruf oder erlangten beruflichen Kenntnissen k\u00f6nnen durchaus sinnvoll sein. Voraussetzung ist jedoch immer der praktische Nutzen, der nach der Weiterbildung angewendet werden kann. Qualifizierungen, in denen die Teilnehmer den ganzen Tag basteln, Spiele zusammensetzen oder Regale mit Kunststofflebensmitteln einr\u00e4umen, sehe ich als nicht zukunftweisend. Sie erweitern weder das theoretische Wissen noch die Praxis. Eher stellen sie f\u00fcr mich eine Besch\u00e4ftigungstherapie mit einem stupiden Ablauf dar.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b><\/b><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Die wenigsten Menschen m\u00f6gen Druck. In der Schule war der Druck bzw. die Pr\u00fcfungen der gr\u00f6\u00dfte Grund, warum ich was f\u00fcr Schule tun musste. Im Studium war das \u00e4hnlich, wobei es mir eher zu wenig Druck war, da es immer nur am Ende des Semester einfach Endloss-Druck war. Druck geh\u00f6rt zum Leben dazu oder sehen Sie das ganz anders?<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Druck geh\u00f6rt zum Alltag dazu. Das war im Mittelalter schon so, wenn die Menschen sich selbst das Essen organisieren mussten \u2013 ohne Industrialisierung oder Sozialabsicherung, wie sie heute vorherrscht. Es ist f\u00fcr mich jedoch ein Unterschied, ob ich Druck in der Schule oder im Studium erhalte, oder ob ich als Betroffene Druck mit wom\u00f6glich einhergehenden Existenz\u00e4ngsten durchleben muss. In der Schule oder im Studium kann ich die Wirkung des Drucks st\u00fcckweise selbst regulieren. Lerne ich, habe ich die Chance auf gute oder bessere Noten. In den Jobcentern kann der ausge\u00fcbte Druck bei den Erwerbslosen nicht gesteuert werden. Dieser entsteht oftmals schon, wenn der Leistungsberechtigte das Jobcenter betritt. Es ist in meinen Augen ein subtiler Druck durch die Machtstellung in den Jobcentern. Machtinstrumente wie das Sanktionieren und dem damit verbundenen Geldentzug stellt einen Druck dar, der oftmals nicht mehr steuerbar ist. In diesem Fall erzeugt der Druck einen enormen Gegendruck, der zu Implosion oder Explosion f\u00fchren kann, und zwar auf beiden Schreibtischseiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Thema Sanktionen f\u00fcr den Hartz IV-Satz: Wenn man zu einem Termin in das Jobcenter als Arbeits- bzw. Erwerbsloser nicht erscheint, kann man mit der Reduzierung seines Hartz-IV Satzes rechnen. Kann man denn bei Krankheit oder anderen triftigen Gr\u00fcnden, solch ein Termingespr\u00e4ch nicht per Telefon f\u00fchren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Wir haben intern durchaus die M\u00f6glichkeit das Beratungsgespr\u00e4ch per Telefon zu f\u00fchren. Zum Teil werden wir sogar angehalten, dieses so auszu\u00fcben, um am Ende des Monats die Quote der Beratungsvermerke zu erf\u00fcllen. Diese Anweisungen werden per Mail durch die Teamleitung versendet. Insbesondere durch die M\u00f6glichkeit die Termine per Telefon zu f\u00fchren, empfinde ich als sehr sinnvoll, da es durchaus Erwerbslose gibt, die aus psychischen oder auch physischen Gr\u00fcnden ihre Wohnung nicht verlassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Sie<b>\u00a0<\/b>kritisieren ja stark die Hartz IV-Gesetze und bezeichnen diese als Verletzung gegen das Grundgesetz. Was halten Sie vom Modell der FDP des B\u00fcrgergelds?\u00a0<a href=\"http:\/\/www.fdp.de\/Buergergeld\/687b248\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.fdp.de\/Buergergeld\/687b248\/<\/a><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p>B\u00fcrgergeld stellt eine andere Form der ehemaligen Sozialhilfe dar. Auch damals wurden erwerbsf\u00e4hige Sozialhilfeempf\u00e4nger zentral \u201eunterhalten\u201c und durch das ehemalige Arbeitsamt in T\u00e4tigkeiten vermittelt. War der Lohn nicht ausreichend, konnten die Menschen erg\u00e4nzende Leistungen oder Beihilfen \u00fcber das Sozialamt beantragen. Aus der Sicht der wegfallenden derzeitigen erpressbaren Sanktionspraxis in den Jobcentern, stellt das B\u00fcrgergeld jedoch eine Alternative dar, um so zumindest Hartz IV auszuhebeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Was halten Sie von der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und wie sich damit die Arbeitswelt \u00e4ndern k\u00f6nnte?<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Das bedingungslose Grundeinkommen stellt ein Leben in W\u00fcrde dar, auch ohne eine Erwerbst\u00e4tigkeit. Der Grundgedanke des bedingungslosen Grundeinkommens ber\u00fccksichtigt den Punkt, dass es nicht mehr genug Arbeit f\u00fcr alle gibt. Und f\u00fcr diese Menschen muss sichergestellt sein, dass ihre Existenz gesichert ist, dass es keinen staatlichen Arbeitszwang in den prek\u00e4ren Arbeitsmarkt gibt und somit die Stellung des \u201eBittstellers\u201c in den Beh\u00f6rden aufh\u00f6rt. Ich rechne sogar damit, dass die soziale Arbeit, welche jetzt zum gr\u00f6\u00dften Teil in Stille als Ehrenamt ausge\u00fcbt wird sich ausbaut. Auf diesem Weg wird das Ehrenamt, worauf das soziale System baut und ben\u00f6tigt, entsprechend entlohnt und belohnt. Ein weiterer Vorteil liegt im Abbau des derzeitigen starken B\u00fcrokratismus und dem \u201eBeh\u00f6rdendschungel\u201c. Die Jobcenter, die Agenturen f\u00fcr Arbeit werden nicht mehr ben\u00f6tigt. Wir haben nicht mehr genug Arbeit f\u00fcr alle. Wir haben jedoch genug Kreativit\u00e4t, Fachwissen, Fachkr\u00e4fte und Menschen, die wollen aber nicht d\u00fcrfen. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen k\u00f6nnen und d\u00fcrfen die fachlichen, menschlichen Ressourcen ausgebaut und umgesetzt werden. Hier sehe ich ein Gewinn, insbesondere f\u00fcr die Gesellschaft aus dem sozialen Kontext heraus. Ziel muss es sein, den Menschen aus der Lohnarbeit zu befreien und nicht umgekehrt den Menschen durch neue Arbeitspl\u00e4tze zu versklaven.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Was ist der Unterschied zwischen Haushalts- und Bedarfsgemeinschaft in einer Wohngemeinschaft?<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>In der Bedarfsgemeinschaft gilt der Grundsatz des gegenseitigen Einstehens. Dementsprechend wird das Arbeitslosengeld II auf alle Mitglieder verteilt. So erh\u00e4lt z.B. jedes Haushaltsmitglied den gleichen Anteil der Gesamtmiete. Ein Einkommen wird ebenso auf jede Person im Haushalt aufgeteilt, auch wenn der Erwerbst\u00e4tige den eigenen Bedarf mit seinem Lohn decken k\u00f6nnte. Im Vergleich dazu steht die Haushaltsgemeinschaft , die einfach ausgedr\u00fcckt eine Wohngemeinschaft ist. Es gibt keine Vermutung \u00fcber das gemeinsame Wirtschaften der Gelder.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Warum halten sie die Menschen, die zu Zeitarbeitsagenturen gehen und dadurch vom Jobcenter wegkommen, f\u00fcr Opfer des Systems? Denn diese Menschen handeln selbst und versuchen auf eigene Weise in das Berufsleben einzusteigen. K\u00f6nnen diese Menschen als Zeitarbeiter mit keiner Unterst\u00fctzung und paralleler Arbeitssuche seitens des Jobcenters rechnen?<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Grunds\u00e4tzlich ist es immer gut, wenn die Erwerbslosen jede Chance f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit wahrnehmen. Auch Zeitarbeit kann es sehr geringe Chance sein. Aber eben nur sehr gering. Die Zeit- und Leiharbeit deckt zumeist nur den gewerblichen Bereich ab, der mit durchschnittlichen 8,19 Euro brutto die Stunde bezahlt wird. Davon kann ein Mensch nicht leben und bleibt abh\u00e4ngig vom Jobcenter oder den Agenturen f\u00fcr Arbeit. Dieses trifft in gro\u00dfem Ma\u00dfe auf Menschen zu, die in St\u00e4dten wohnen und eine hohe Miete bezahlen m\u00fcssen oder die Lebenshaltungskosten hoch sind. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch Zeit- und Leiharbeitsfirmen, die h\u00f6herwertige Arbeit anbieten und entsprechend \u00fcber die 8,10 Euro bezahlen. Diese sind jedoch sehr gering. Arbeitnehmer aus den Zeitarbeitsfirmen, welche aufstockend Hartz IV beziehen, unterstehen dem gleichen Druck, wie Nichterwerbst\u00e4tige. Eine Hilfe durch die Jobcenter f\u00fcr eine, vor allem besser bezahlte T\u00e4tigkeit erfolgt zumeist nicht, da diese Arbeitnehmer kaum mehr eingeladen werden. Parallel erhalten sie jedoch den Druck, sich eine besser bezahlte T\u00e4tigkeit zu suchen. Ein Widerspruch in sich. Die Jobb\u00f6rse gibt auch kaum wirklich gute Arbeitsstellen her. Das liegt jedoch nicht direkt am Jobcenter. Viele Arbeitgeber verweigern die Zusammenarbeit mit den Agenturen f\u00fcr Arbeit. Die Gr\u00fcnde sind vielf\u00e4ltig. Ein starker Grund liegt u.a. darin, dass auch ihnen der Anteil der Zeit- und Leiharbeitsfirmen zu gro\u00df ist. Damit geht ihr eigenes Stellenangebot unter, weil zuvor rund 70% der prek\u00e4re Arbeitsmarkt angezeigt werden.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Arbeitnehmer\u00fcberlassung gibt es in Form von Zeitarbeit bzw. Leiharbeit. Kennen sie auch die Bezeichnung\u00a0Body-Leasing. Ist dies eine andere Form der Leiharbeit?<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>Body-Leasing, gerne im IT-Bereich eingesetzt, ist eine andere Form von Leiharbeit, die von Beginn befristet ist. Der Ausleiher stellt den Arbeitsplatz zur Verf\u00fcgung, ohne jedoch die Pflichten als Arbeitgeber tragen zu m\u00fcssen. Allein, dass zwischen dem Arbeitgeber und dem \u201eVerliehenen\u201c eine dritte Person dazwischen ist, senkt die L\u00f6hne f\u00fcr den Arbeitnehmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Welche B\u00fccher oder Pers\u00f6nlichkeiten haben ihr Leben beeinflusst und warum?<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Besonders pr\u00e4gend waren und sind noch bis heute die B\u00fccher der Geschwister Scholl wie \u201eDie wei\u00dfe Rose\u201c sowie \u201eDas Tagebuch der Anne Frank\u201c. Bereits seit fr\u00fcher Jugend hat mich der mutige und konsequente Widerstand im Dritten Reich interessiert. Parallel dazu habe ich sehr gerne Heinrich B\u00f6ll, Berthold Brecht, Max Frisch sowie Gunter Wallraff gelesen. Gesellschafts- und sozialkritische Literatur, die mit knappen Worten durchaus auf den Punkt kommt. Ebenso gerne lese ich auch B\u00fccher \u00fcber die Philosophie oder zur Entspannung Biographien. Als Pers\u00f6nlichkeiten haben mich Ghandi, Nelson Mandela als auch die bereits genannten Autoren beeinflusst und tun dieses noch immer. In der Politik waren und sind es Willy Brandt, Helmut Schmidt, Dr. Heiner Gei\u00dfler sowie Jutta Ditfurth und Petra Kelly.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Lern-Online.net<\/b><b>:\u00a0<\/b>Wird E-Learning immer wichtiger f\u00fcr die Weiterbildung von Arbeitssuchenden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Inge Hannemann:\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b>F\u00fcr Menschen, die keine audio-visuelle Unterrichtseinheiten ben\u00f6tigen, kann es sogar ein eigenst\u00e4ndiges Lernmaterial darstellen. Oftmals ist es auch g\u00fcnstiger, so dass eine Finanzierung eventuell leichter fallen k\u00f6nnte. Der Vorteil liegt auch darin, dass die Zeit frei einteilbar ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir danken Frau Hannemann f\u00fcr dieses spannende Interview und w\u00fcnschen ihr alles Gute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe durch ein viel geteiltes Video auf Google+ von Inge Hannemann erfahren. 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